Erbrechtliche Konsequenzen bei Trennung und Scheidung

Spätestens nach rechtskräftiger Ehescheidung fühlt man sich  sicher – der Vermögensausgleich ist geregelt, der frühere Ehegatte ist nicht mehr gesetzlicher Erbe.


Doch was passiert, wenn ich mit einem meiner Kinder oder meinem einzigen Kind zusammen bei einem(unverschuldeten) Autounfall ums Leben komme und bisher ein Testament nicht errichtet habe?
Die gesetzliche Erbfolge tritt ein und meine Kinder oder die Kinder werden Erben zu gleichen Teilen, wenn sich (notfalls durch eine Obduktion) herausstellt, dass ich zuerst verstorben bin.
Da meine minderjährigen Kinder noch keine eigenen Kinder haben und auch kein Testament hinterlassen haben, erbt der andere Elternteil – also mein/e Expartner/in!
Der geschiedene Ehegatte nimmt also mittelbar am Nachlass des anderen Ehegatten noch teil.
Auch wenn die Kinder ein Testament errichtet hatten und der andere Elternteil vom Erbe ausgeschlossen sind – der Pflichtteilsanspruch besteht nach wie vor, so dass erneut ein Teil des Vermögens des geschiedenen Ehegatten wieder beim anderen Elternteil landet!
Selbst bei nichtehelichen Lebensgemeinschaften kann der andere Partner über die Kinder auf diese Weise am Vermögen partizipieren.
Gerade solche Folgen sind vom Verstorbenen oft nicht erwünscht.
Mit Hilfe eines soggenannten Geschiedenentestaments, das bereits unmittelbar nach einer Trennung erstellt werden kann, kann verhindert werden, dass der geschiedene Ehegatte, der ehemalige Lebenspartner oder deren Verwandte über das Erbrecht am Vermögen teilhaben.

Schon im Vorfeld können unliebsame Folgen durch einen Ehevertrag oder eine scheidungsfolgenvereinbarung verhindert werden.
Spätestens nach der Trennung jedoch kann eine speziell auf die Lebenssituation abgestimmte testamentarische Gestaltung die unerwünschten Folgen beseitigen.

Rechtsanwältin Andrea Schendel – Ihre Ansprechpartnerin in erbrechtlichen Fragen 

9.Februar 2016